Stadtforscher: Kirchen können Kondensationspunkte in Quartieren sein

Kirche als Ort für Gemeinschaft

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Kirchen konnen dazu beitragen Orte zu schaffen, an denen Gemeinschaft stattfindet und im Stadtleben sichtbar wird.

Stadtforscher: Kirchen können Kondensationspunkte in Quartieren sein
Wie können die Kirchen mithelfen, dass arme Stadtteile bessere Zukunftsperspektiven bekommen? Sie können Raum für Begegnungen schaffen, sagten Präses Rekowski und Bischof Overbeck beim Sozialpolitischen Aschermittwoch der Kirchen in Essen.

Für die Entwicklung von Zukunftsperspektiven für benachteiligte Stadtteile spielen die Kirchen nach Ansicht des Stadtforschers Klaus Selle eine wichtige Rolle. Die große Chance der Kirchen liege in ihrer "Nähe zu den Menschen", sagte der ehemalige Professor für Planungstheorie und Stadtentwicklung an der RWTH Aachen am Mittwoch in Essen. Mit ihrer Ortsnähe könnten sie zu "Kondensationspunkten" für bürgerschaftliches Engagement werden. Der rheinische Präses Manfred Rekowski würdigte die Rolle von Kirchengemeinden in benachteiligten Stadtteilen für den Zusammenhalt. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck rief zu mehr Ökumene auf.

Nach Selles Worten brechen vielfach zentrale Versammlungsorte weg. "Es fehlt an Orten, wo Gemeinschaft sichtbar wird", sagte er beim Sozialpolitischen Aschermittwoch der Kirchen. Kirchen könnten dazu beitragen, solche Orte zu schaffen. Dabei sei die Kooperation mit anderen Akteuren im Stadtteil wie Schulen oder Wohlfahrtsverbänden wichtig.

Verschiedene Lebenswelten

Arme Stadtteile, meist ehemalige Arbeiterquartiere mit hohem Migrantenanteil, seien für Führungskräfte oder auch Stadtplaner oft unbekannte "blinde Flecken", sagte der Stadtforscher. Zugleich hätten solche Stadtteile als "Ankunftsstadtteile" für Zuwanderer aber eine wichtige Funktion für die Gesamtstadt. Diese verschiedenen Lebenswelten müssten miteinander bekanntmacht werden.

Präses Rekowski sagte, es sei eine wichtige Aufgabe für Gemeinden in benachteiligten Stadtteilen, Begegnungen zu fördern. Das sei ein wichtiger Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland. Dabei sei eine Kooperation mit andern lokalen Akteuren wie Schulen, Vereinen und Verbänden unerlässlich.

Nicht dominant - aber mittendrin

Er räumte ein, dass die Kirchen zu lange alleine auf ihre institutionelle Präsenz gesetzt hätten. "Wir sind nicht mehr die dominante Kraft", sagte Rekowski. Doch die Stärke der Kirche sei es, "mittendrin" zu sein. Von dort aus gelte es, gemeinsam mit Anderen die Stadtteile wahrzunehmen "mit Potenzialen und Problemlagen".

Ruhrbischof Overbeck betonte die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit über Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg. Die Präsenz im Stadtteil sei eine "ökumenische Aufgabe, auch mit anderen Religionen zusammen". Wichtig für einen Stadtteil sei es auch, eine gemeinsame Idee zu verfolgen, "etwas, was man teilen kann", sagte Overbeck. Für das Ruhrgebiet als ganzes sei beispielsweise die Idee einer Bewerbung für die Olympischen Spiele so eine positive Idee.

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